Die Stählerne Zeit
WDR SWR | 2007
Folge 1 - Die Not der Weber
Folge 2 - Das Reich des Stahlbarons
Folge 3 - Der Stolz der Arbeiter
Regie Spielszenen - Roland May
Buch | Regie - Rüdiger Moersdorf, Anne Roerkohl, Barbara Stupp
Kamera - Norbert Bandel
Kostümbild - Lore Tesch
Maskenbildnerin - Patricia Popow
Szenenbild - Oliver Munck
Regieassistent - Torsten Juncker
Schnitt - Volker Gehrke, Tim Gohle
Produktion - Cinecentrum Hamburg
Besetzung
Patrick Mölleken - Hermann Enters
Martin Kaps - August Siegel
Ulf Montanus - Karl Ferdinand Stumm
Anton Weber - Johann Groß
Silke Natho - Anna Enters
Die dreiteilige historische Reihe handelt von einer der tiefgreifendsten Umbruchsphasen der deutschen Geschichte: Der industriellen Revolution. Fabriken, Zechen und Stahlwerke schießen innerhalb weniger Jahrzehnte aus dem Boden, Städte wachsen explosionsartig, neue Verkehrsnetze entstehen – und mit ihnen ein Wirtschaftssystem, das Wohlstand verspricht, aber zunächst vor allem Elend, Ausbeutung und soziale Konflikte hervorbringt.
Die Reihe erzählt diese „stählerne Zeit“ nicht als abstrakte Wirtschaftsgeschichte, sondern als Erfahrungsraum einer Gesellschaft im Ausnahmezustand: Menschen geraten in den Sog der Maschinen, traditionelle Lebensformen zerbrechen, Arbeit wird zur Existenzfrage. Die Folgen zeigen, wie eng Fortschritt und Härte, Aufstieg und Verlust, Hoffnung und Verzweiflung miteinander verbunden sind.
Im Zentrum steht die Geburt der modernen Arbeitswelt – und damit auch die Entstehung einer neuen sozialen und politischen Bewegung. Aus vereinzelten Handwerkern und Landarbeitern wird ein Industrieproletariat, das sich gegen Willkür, Hungerlöhne und unmenschliche Bedingungen zu organisieren beginnt. Proteste, Streiks und erste Formen kollektiver Solidarität markieren den Beginn dessen, was später zur Arbeiterbewegung und zum sozialen Ausgleich im Kaiserreich führen wird.
Gleichzeitig porträtiert die Reihe die Gegenseite dieser Entwicklung: die neuen Unternehmerdynastien, die mit Stahl und Kohle zu ungeheurem Einfluss gelangen. Figuren wie Karl Ferdinand Stumm, einer der mächtigsten Stahlbarone des Kaiserreichs und enger Vertrauter Wilhelms II., stehen für ein paternalistisches System aus Fürsorge und Kontrolle, das bis tief ins Privatleben der Arbeiter reicht. Und Männer wie Emil Kirdorf, einer der prägenden Industriemanager des Ruhrgebiets, verkörpern den kompromisslosen Kapitalismus der Hochindustrialisierung – mit politischen Folgen, die weit ins 20. Jahrhundert hineinreichen.
Der industrielle Aufbruch legte die Grundlagen des modernen Wohlstands, doch er wurde auf dem Rücken jener erkämpft, die unter Hitze, Staub, Kinderarbeit und Entbehrung lebten. Die Reihe macht spürbar, wie diese Jahrzehnte nicht nur Fabriken und Städte formten, sondern auch das soziale Gefüge, die politischen Ideen und das Selbstverständnis einer ganzen Nation.


